Amalgam
Seit Jahrzehnten dient eine graue Masse millionenfach als Füllstoff für löchrige Zähne. Das Problem: Amalgam enthält giftiges Quecksilber. Experten streiten darüber, wie gefährlich Amalgam wirklich ist.
Kauen: Stress für die Füllung
Aus Amalgamfüllungen wird Quecksilber auf drei Arten freigesetzt, berichtet das Bayerische Umweltministerium (Fachinformation "Umwelt und Gesundheit", 2/98)
- Abrieb durch Kaubewegungen: Die Partikel werden vollständig über den Magen-Darmtrakt ausgeschieden.
- Abgabe von ionisiertem Quecksilber, das zu 10-15 Prozent in den Blutkreislauf aufgenommen wird und sich in Nieren und Leber anreichert.
- Austritt von Quecksilber als Dampf, der in die Lunge bis zu 80 Prozent aufgenommen wird und von dort in das Blut übertritt
Insgesamt sind Träger von Amalgamfüllungen also in erster Linie dampfförmigem Quecksilber ausgesetzt. Der Beitrag von Quecksilber aus Amalgamfüllungen zur täglichen Quecksilberzufuhr entspreche etwa dem aus Fischprodukten in der Nahrung, schreibt das Ministerium. Interessant für die Höhe der aufgenommenen Quecksilber-Menge seien unter anderem folgende Faktoren:
- Die Art des Atmens, bei Mundatmung werden z.B. mehr Dämpfe freigesetzt als bei der Nasenatmung.
- Die Kauaktivitäten der jeweiligen Personen, z.B. Kaugummi kauen.
- Gesamtoberfläche und Lage der Amalgamfüllungen
Zum Beispiel wird in "kauaktiven" Phasen (Kaugummi, Essen) über Mundatmung rund die Hälfte des freigesetzten Quecksilbers in die Lunge inhaliert. In Ruhephasen sind es dagegen nur etwa 25 Prozent. Aber auch Rauchen, heiße Getränke und Zähneputzen begünstigten die Quecksilber-Freisetzung.
Die meisten Wissenschaftler seien sich aber einig, erklärt das Umweltministerium, dass es für nachteilige Wirkungen bislang keine wissenschaftliche Begründung gebe.
Flüssiges Gift
Quecksilber wirkt als Zellgift auf lebenswichtige Eiweißstrukturen im Körper, es kann Vergiftungen und Allergien hervorrufen. Eine Form des Quecksilbers ist das organische oder Methylquecksilber. Menschen nehmen es täglich über die Atemluft oder die Nahrung (z.B. Fisch) auf. Quecksilber aus Amalgam ist anorganisches (= ionisiertes) Quecksilber oder gebundenes Quecksilber in Form von abgeriebenen Amalgampartikeln. Es lagert sich im menschlichen Körper über das Blut vermehrt in Lunge, Gehirn, Nieren und Leber ab. Mit der Aufnahmedosis steigen auch die Mengen in den Organen. Gleichzeitig scheidet der Körper das Quecksilber auch wieder aus, so dass nach einiger Zeit bei gleichbleibenden Aufnahmemengen ein Gleichgewichtszustand erreicht wird. Bei chronischer Quecksilber-Exposition kommt es zu Mattigkeit, Schwindel, Schlaflosigkeit, Gedächtnisschwund, Abfall der Konzentrationsfähigkeit, Übererregbarkeit, Kopfschmerzen, Nervenschmerzen, Zittern, Haarausfall und Depressionen.
Amalgam ist eine Mixtur aus Quecksilber, Silber, Zinn, Kupfer und Zink. "Lebendiges Silber" hieß das Schwermetall früher wegen seiner Farbe und Beweglichkeit. Die öffentliche Diskussion entzündet sich an der Giftigkeit des Quecksilbers in der grauen Masse. Während Umweltmediziner in einer Erklärung im Juni dieses Jahres ein sofortiges Verbot von Amalgam in der Humanmedizin forderten, ist das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) anderer Meinung: Ordnungsgemäß gelegte Amalgamfüllungen stellten keine Gesundheitsgefährdung dar, so das Institut. Nur in seltenen Ausnahmen komme es zu allergischen Reaktionen, schreibt die BfArM in der Februarausgabe des Bundesgesundheitsblattes 2001. Trotz Millionen von Amalgamfüllungen seien weltweit nur rund 100 Fälle sicher als Amalgamallergie beschrieben.
Allerdings rät das Institut von Amalgamfüllungen bei Schwangeren, Kleinkindern, allergisch reagierenden Personen und Nierenkranken ab. Das aus Amalgamfüllungen freigesetzte Quecksilber kann resorbiert werden und zur Gesamtbelastung des Organismus mit Quecksilber beitragen.
Attraktive MasseEs gibt gute Gründe, die das Material Amalgam interessant machen - für den Zahnarzt und den Patienten:
- einfache, kostengünstige und schnelle Füllungstechnik
- vielseitig einsetzbar, belastbar und beständig
- leicht zu verarbeiten, leicht zu entfernen
- hohe Bruch- und Druckfestigkeit
- lange Haltbarkeit und klinisch bewährt
Genauso gute Gründe lassen sich gegen das Amalgam vorbringen:
- Ästhetik der Farbe, bei Vorderzähnen nicht einsetzbar.
- Es bilden sich Spalten, möglicherweise neue Karies.
- Der Zahn verfärbt sich.
- Eine Unterfüllung ist unerlässlich.
- Bei unsachgemäßer Handhabung, Belastung der Zahnärzte und des Praxispersonals durch Quecksilber, z.B. beim Legen, Entfernen oder Polieren von Amalgamfüllungen.
- Potentielle allergische und toxische Gefährdung durch eine - wenn auch geringe - zusätzliche Belastung des Organismus durch Quecksilber.
Einen Werkstoff, der nur Vorteile bietet, gibt es nicht. Die beste Lösung - und darin sind sich alle Experten einig - ist immer noch die Prophylaxe. Wer regelmäßig auf die Mundhygiene achtet, braucht überhaupt keine Füllung - auch keine aus Amalgam.



