Koronare Herzkrankheit
KHK - medizinisch Interessierten ist die Abkürzung ein Begriff. Er steht für koronare Herzkrankheit und beschreibt ein Krankheitsbild mit der häufigsten Todesursache in den Industrieländern. Bemerkbar macht sich die KHK durch einen plötzlich auftretenden, heftigen Schmerz in der Brust (Angina-pectoris-Anfall).
Koronare Herzkrankheit - alle reden darüber, aber wer kennt schon den Mechanismus? Das zentrale Problem bei der KHK: Der Sauerstoffbedarf des Herzmuskels ist größer als die Sauerstoffversorgung. Aufgrund von Gefäßverengungen in den Herzkranzgefäßen, die vor allem durch unwiderrufliche Ablagerung von Fetten und Kalk in den Gefäßwänden zustande kommen, kann der Herzmuskel nur unzureichend mit Sauerstoff versorgt werden. Das kann zu einem fortschreitenden Absterben von Herzmuskelzellen führen Jährlich 87.000 Menschen sterben an den Folgen der KHK, z.B. am Herzinfarkt, einem Gefäßverschluss, bei dem Herzgewebe abstirbt. Die größte Gefahr aber, die mit der KHK verbunden ist, ist der plötzliche Herztod: 20 Prozent der Erkrankten in Deutschland sterben an diesem unvermittelten Herzstillstand (Gerd Herold, Innere Medizin, 2003).
Risikofaktoren Zucker, Cholesterin, Bluthochdruck
Für die Entstehung der Arteriosklerose, der Hauptursache für KHK, werden viele Risikofaktoren verantwortlich gemacht, welche in unbeeinflussbare und beeinflussbare Faktoren unterteilt werden können.
Zu den unbeeinflussbaren Faktoren gehören familiäre Veranlagung, Lebensalter und Geschlechtszugehörigkeit. Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren gehören:
- Fettstoffwechselstörung
- Bluthochdruck
- Diabetes mellitus
- Metabolisches Syndrom (so genanntes Wohlstandssyndrom, dass sich aus verschiedenen Erkrankungen zusammensetzt: Übergewicht - vor allem der "dicke Bauch" - , Insulinresistenz und Hyperinsulinämie, Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck und Diabetes mellitus)
- Nikotinmissbrauch
Wenn eine Person zwei dieser Risikofaktoren besitzt, so ist ihr Herzinfarktrisiko vierfach erhöht, bei drei Risikofaktoren 10-fach (Herold, Innere Medizin, 2003)!
Auch Stress gilt als Risikofaktor: Wer unter Stress steht, schüttet permanent das Stresshormon Adrenalin aus und steigert so Blutdruck und Puls.
Schmerzen in der BrustDas Leitsymptom der KHK ist der Angina-pectoris-Anfall, was übersetzt soviel wie Brustenge bedeutet. Charakterisiert sind Schmerzen hinter dem Brustbein, welche vorwiegend bei körperlicher oder psychischer Belastung (stabile AP) auftreten und in der Regel nach 10-15 Minuten aufhören. Die Schmerzen können auch in andere Regionen ausstrahlen, wie z.B. zum Hals, Unterkiefer, in die Schulter oder in die Arme und Finger. Die Angina pectoris tritt erst bei kritischer Verengung (75 Prozent und mehr) der Koronargefäße auf (Herold). Sie sollte daher ernst genommen werden und von einem Arzt abgeklärt werden.
Dem Schmerz auf die Schliche kommen
Als erstes wird Ihr Arzt Ihre Krankengeschichte erfragen, um festzustellen unter welchen Bedingungen die Schmerzen auftreten. Angina-pectoris-Anfälle machen eine koronare Herzkrankheit sehr wahrscheinlich, ihr Fehlen bedeutet jedoch nicht, dass keine KHK vorliegt. Schließlich gehen 50 Prozent der Durchblutungsstörungen im Herzen ohne Schmerzen einher (Herold).
Ein Elektrokardiogramm in Ruhe (Ruhe-EKG) misst die elektrische Aktivität des Herzens. Damit kann der Arzt einen Herzinfarkt ausschließen, der mit den gleichen Symptomen einhergehen kann. Wenn das EKG unauffällig ist und das ist es in Ruhe meistens, wird ein Belastungs-EKG durchgeführt. Diese Untersuchung stellt die Sauerstoffunterversorgung im Herzen bei Belastung gut dar.
Um die Verengung der einzelnen Arterien des Herzens zu beurteilen, wird ein Kardiologe ein Koronarangiogramm durchführen, also eine Darstellung der Herzkranzgefäße mittels Röntgenstrahlung und Kontrastmittel. Hier kann genau erkannt werden, zu wie viel Prozent das jeweilige Gefäß verengt ist und ob gegebenenfalls mittels einem Ballon oder einem kleinen rohrförmigen Gitter (Stent) die Gefäße erweitert werden müssen.
Weitere Spezialuntersuchungen zur Beurteilung der Herzmuskeldurchblutung und der Koronararterien sind unter anderem:
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Belastungsechokardiographie:
Dieses Ultraschall-Verfahren macht die Beweglichkeit der Herzwände unter Belastung, also bei erhöhtem Sauerstoffverbrauch erkennbar und lässt so eine Beurteilung von Wandbewegungsstörungen zu. -
Myokardszintigraphie:
Mit hoher Sensitivität lässt sich mit dieser nuklearmedizinischen Untersuchung die Durchblutung der Herzmuskulatur darstellen und erlaubt eine Unterscheidung zwischen funktionslosem und funktionstüchtigem Herzgewebe. -
Positronen-Emissionstomographie (PET):
Diese Untersuchung mit schwach radioaktiven Elementen lässt Rückschlüsse auf die Stoffwechselfunktion der Herzmuskulatur zu. Sie erlaubt eine Unterscheidung zwischen totem Narbengewebe (nach Infarkt) und unbeweglichem jedoch vitalem Muskelgewebe. -
Elektronenstrahl-Computertomogramm:
Schnittbildverfahren zur Beurteilung von Verkalkungen in den Koronararterien und zur Prüfung der Durchgängigkeit von Bypässen.
Kampf der Beklemmung
Die Behandlung oder Vorbeugung der KHK kann grundsätzlich in zwei unterschiedliche Schienen unterteilt werden:
- die Minimierung der Risikofaktoren (kausal)
- die Behandlung der Beschwerden (symptomatisch)
Bei der kausalen Behandlung wird die Krankheit in ihrem Fundament erschüttert, das heißt man versucht die Entstehung bzw. das Fortschreiten der Arteriosklerose zu verhindern. Dazu wird der Arzt mit Hilfe Ihrer Untersuchungswerte und bestimmten Tabellen Ihr Herzinfarkt-Risiko bestimmen. Liegt das Risiko höher als fünf Prozent innerhalb der nächsten 10 Jahre, sollte man die Risikofaktoren ausschalten bzw. einschränken. Das bedeutet im Klartext kein Nikotin, Gewichts- und Cholesterinnormalisierung, gutes Einstellen von Bluthochdruck und Diabetes und körperliches Training. Schon eine Stunde Walken pro Woche reduziert das Herzinfarktrisiko bereits um 50 Prozent (Quelle: Herold)!
Bei der symptomatischen Therapie stehen Medikamente mit blutdrucksenkender und gefäßerweiternder Wirkung im Vordergrund, um so das Verhältnis von Sauerstoffbedarf und Sauerstoffangebot zu Gunsten des Sauerstoffangebots zu verbessern, denn je niedriger der Blutdruck desto weniger muss das Herz arbeiten und desto weniger Sauerstoff benötigt es. Die gefäßerweiternden Medikamente verbessern die Durchblutung im Herzen und stellen dadurch mehr Sauerstoff zu Verfügung. Zu diesen gehören auch die Nitrate, welche innerhalb von Sekunden die Angina-pectoris-Schmerzen beheben.
Brustschmerzen, welche bereits in Ruhe auftreten, werden als instabile Angina pectoris bezeichnet und sind Anlass zum sofortigen kontaktieren eines Notarztes, da sich in diesem Stadium der KHK jederzeit ein Herzinfarkt ereignen könnte.
Mit einer Kombination von regelmäßigen Arztbesuchen, bewusster Lebensführung und Reduzierung von Risikofaktoren lässt sich die KHK im Keim ersticken und die schmerzhafte Brustenge wird sich erst gar nicht entwickeln.



