Augenoperation
Wo Sehhilfen und Augenarzneien nicht mehr weiterhelfen, beginnt das weite Feld der Augenoperationen. Meistens sind sie der letzte Ausweg, um eine ernsthafte Augenerkrankung zu heilen oder eine Sehbehinderung zu lindern.
Schon die alten Römer operierten an den Augen. Den Grauen Star (Katarakt) behandelten sie vor mehr als zweitausend Jahren mit dem so genannten Starstich. Sie banden den Erblindeten an einen Stuhl, der Arzt stach mit einer langen Nadel seitlich durch die Lederhaut in den Augapfel und drückte die getrübte Linse aus der Sehachse. Die Prozedur war zwar extrem schmerzhaft, aber der Betroffene konnte danach wieder etwas sehen - vorausgesetzt sein Auge fiel nicht einer Infektion zum Opfer.
Fortschritt für klare Sicht
Heutzutage ermöglichen lokale Betäubung und sterile Operationsräume schmerzfreie und risikoarme Augenoperationen. Folgende chirurgische Methoden sind aus der modernen Augenheilkunde nicht mehr wegzudenken:
Operation des Grauen Star:
Sie ist die Behandlung der Wahl beim Grauen Star (Phakoemulsifikation). Über einen kleinen, sich nach der OP selbst verschließenden, Schnitt am Rand der Hornhaut führt der Chirurg eine Art Minizange in die vordere Augenkammer ein und schneidet in die vordere Linsenkapsel ein Loch. Er zertrümmert den trüben Linsenkern mit Ultraschall und saugt die Brösel mit einer Kanüle ab. Anschließend passt er eine Kunstlinse in die ausgehöhlte Kapsel ein. Durch die Verwendung von Faltlinsen kann der OP-Schnitt sehr klein gewählt werden. Dadurch verringert sich die Gefahr einer Hornhautverkrümmung oder Infektion.
Schieloperation:
Die dauerhafte Fehlstellung eines Augapfels lässt sich meist chirurgisch korrigieren, durch eine Verkürzung, Vor- oder Zurücklagerung der Augenmuskeln.
Operation des Grünen Star (Glaukom-Operationen):
Lässt sich ein krankhaft erhöhter Augeninnendruck mit Medikamenten nicht in Griff bekommen, so erhält nur ein Lasereingriff oder eine Operation das Augenlicht. Dies geschieht meist mit einem "Filtrierenden Eingriff", bei dem das überflüssige Kammerwasser durch eine künstliche Öffnung in der Lederhaut abgeleitet wird. Diese Methode senkt den Augeninnendruck dauerhaft.
Hornhauttransplantation (Keratoplastik):
Sie ist bei irreversiblen Verletzungen oder Vernarbungen der Hornhaut oder wenn wegen verformter Hornhaut mit Brille oder Kontaktlinse kein verwertbares Sehen mehr erreicht werden kann notwendig, um das Sehvermögen des betroffenen Auges wieder herzustellen. Die "neue" Hornhaut stammt von verstorbenen Organspendern.
Netzhautoperationen:
Die Netzhaut löst sich meist rund um Einrisse oder Löcher ab. Ringförmig um die Verletzung angelegte Frostreize (Kryosonde) oder thermische Energie (Laser) bewirken, dass die Netzhaut fest mit der Aderhaut vernarbt. Eine großflächige Netzhautablösung lässt sich meist beheben, indem der Augapfel operativ eingedellt wird. Hierzu wird entweder eine Silikonschaumplombe auf die Lederhaut genäht oder der Augapfel mit einem Silikonband (Cerclage) eingeschnürt. Dadurch liegt die Netzhaut wieder auf ihrer Pigmentschicht und kann festwachsen. Unter Umständen muss der Glaskörper teilweise oder vollständig abgesaugt werden. Sei es, weil er zu schnell schrumpft und an der Netzhaut reißt, oder das Augeninnere mit einer schweren Flüssigkeit(z.B. Silikonöl)oder Gas aufgefüllt werden muss, um die Netzhaut an die Pigmentschicht zu pressen.
Laseroperation bei Kurz-, Weit- oder Stabsichtigkeit (Refraktive Chirurgie):
Die beiden modernsten Laser-Operationstechniken heißen "Laser in-situ Keratomileusis" (LASIK) und "Laser epitheliale Keratomileusis" (LASEK). Bei beiden Verfahren wird das Innere der Hornhaut mit einem Excimer-Laser abgeschliffen, bis die normale Brechkraft des Auges hergestellt ist. LASEK eignet sich für die Korrektur einer Kurzsichtigkeit bis minus sechs Dioptrien, bei Weitsichtigkeit bis plus drei Dioptrien und bei Stabsichtigkeit (Astigmatismus) bis plus oder minus drei Dioptrien. Der Anwendungsbereich für LASIK ist fast identisch, jedoch kann sie nach wissenschaftlichen Erkenntnisse auch eine Kurzsichtigkeit bis minus zehn Dioptrien ausgleichen (Berufsverband der Augenärzte Deutschlands).
Photodynamische Therapie (PDT) bei altersbedingter Makuladegeneration:
Sie verzögert eine bestimmte Form der altersbedingten Makuladegeneration, die "feuchte AMD". Bei dieser wuchern undichte Gefäße in den gelben Fleck der Netzhaut und schädigen diesen durch Flüssigkeitsablagerungen (Ödeme). Folge: Die Region des scharfen Sehens geht langsam verloren (zentraler Gesichtsfeldausfall). Bei der PDT spritzt der Arzt einen bestimmten Farbstoff in die Armvene. Dieser reichert sich in den abnormalen Netzhautgefäßen an und macht sie empfindlich für eine gering intensive Laserbestrahlung. Die erhitzten Gefäße veröden, wodurch die Ödeme wieder verschwinden.
Glaskörperabsaugung (Vitrektomie):
Dies ist z.B. notwendig bei Glaskörperblutungen, die sich nicht mehr auflösen. Auch bei vielen Netzhautoperationen muss der Glaskörper teilweise oder vollständig abgesaugt werden. Häufig muss der Chirurg auch einfach nur Platz schaffen, um operieren zu können. Der Glaskörper wird dann z.B. durch Silikonöl ersetzt.
Bei bestimmten bösartigen Augapfelerkrankungen oder bei Schrumpfung des Auges nach einer Entzündung, Netzhautablösung, usw. ist eine Entfernung des Auges notwendig. Auch drastische Unfallverletzungen (z.B. teilweiser Augenausriss) erfordern eine Entfernung, um folgenschwere Entzündungen zu vermeiden. Mittels eines Platzhalters und einer Augenprothese kann nach diesem Eingriff ein kosmetisch zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden.
Der Trend in der operativen Augenheilkunde geht weiter zu immer ausgefeilteren und schonenden (minimal invasiven) Methoden. Dabei wird ein hochpräziser Laser in Zukunft immer häufiger das Skalpell ersetzen.



